Dichtheitsprüfung Abwasser: wann sie Pflicht ist, wie sie abläuft und was sie kostet

Aktualisiert am 6. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten · Müller Kanalreinigung

Geprüft werden die privaten Leitungen, die auf Ihrem Grundstück Schmutzwasser vom Haus zum öffentlichen Kanal bringen. Dazu gehören die Grundleitungen unter der Bodenplatte und die Anschlussleitung durch den Vorgarten, samt der Schächte auf dem Weg. Die Verantwortung dafür endet an der Grundstücksgrenze, und bis dahin trägt sie der Grundstückseigentümer. Das ergibt sich aus dem Wasserhaushaltsgesetz, nach dem jeder Betreiber von Abwasseranlagen für deren Zustand und Dichtheit geradestehen muss. Gesetzlich gemeint sind damit auch Sie als Hausbesitzer.

Was bei einer Dichtheitsprüfung der Abwasserleitung geprüft wird

Der Grund ist simpel. Durch undichte Abwasserleitungen läuft Schmutzwasser ins Erdreich und im schlimmsten Fall bis ins Grundwasser. Umgekehrt drückt Regen- oder Grundwasser durch Risse in die Leitung und landet als Fremdwasser in der Kläranlage. Für Sie als Eigentümer sind die Folgen greifbarer. Unter der Einfahrt wird Boden ausgespült und das Pflaster sackt ab. Durch eine undichte Muffe wachsen Wurzeln ins Rohr, und die Verstopfung kommt nach jeder Reinigung wieder.

Regenwasserleitungen fallen in der Regel nicht unter die Prüfung, solange sicher kein Schmutzwasser hineinläuft. Entscheidend sind die Leitungen, die Abwasser aus Küche und Bad führen.

Wir bekommen Ihr Problem gelöst und den Abfluss wieder frei.
Ansonsten bekommen Sie Ihr Geld zurück.
(Defekte Kanäle ausgenommen)

Ist die Dichtheitsprüfung Pflicht? Die Lage im Saarland

Hier beginnt die Verwirrung um Dichtheitsprüfungen, die viele Hausbesitzer aus der Zeitung kennen. Eine bundesweite Frist für private Abwasserleitungen gibt es nicht. Ob, wann und wie geprüft werden muss, regeln die Länder und die Kommunen in ihrer Entwässerungssatzung. Die meisten Ratgeber im Netz beziehen sich auf Nordrhein-Westfalen, wo die Regeln jahrelang hin und her gingen. Für ein Haus in Saarlouis oder Merzig helfen diese Fristen nicht weiter.

Im Saarland gibt es für häusliche Abwasserleitungen im Bestand keine landesweite Pflicht zur wiederkehrenden Dichtheitsprüfung. Das heißt aber nicht, dass Sie nie prüfen lassen müssen. Eine Prüfung wird in diesen Fällen regelmäßig verlangt:

  • nach dem Neubau einer Leitung oder eines Hausanschlusses
  • nach einer Sanierung oder einem größeren Umbau der Grundstücksentwässerung
  • auf Grundstücken in Wasserschutzgebieten, wo strengere Anforderungen gelten
  • bei Leitungen, die gewerbliches Abwasser führen
  • wenn Ihre Kommune es in der Satzung festlegt oder im Einzelfall anordnet

Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Gemeinde oder dem Entsorgungsverband nach, was für Ihr Grundstück gilt. Das ist ein kurzer Anruf und schützt Sie vor teuren Missverständnissen.

Auch ohne Pflicht gibt es gute Anlässe für eine Prüfung. Wer ein älteres Haus kauft, weiß danach, ob unter dem Rasen eine Sanierung wartet. Wer zum dritten Mal im Jahr eine Verstopfung in derselben Leitung hat, sucht meist einen Schaden, keinen Pfropfen.

Kamera oder Druckprüfung: die beiden Verfahren

Die anerkannten Regeln der Technik, vor allem die DIN 1986-30 für bestehende Anlagen und die DIN EN 1610 für neu verlegte Leitungen, kennen zwei Wege zum Nachweis.

Optische Inspektion mit der Kamera

Eine Kamera fährt durch die Leitung und zeichnet jeden Meter auf. Bei häuslichem Abwasser gilt eine Leitung nach der Norm als dicht, wenn die optische Inspektion keine sichtbaren Schäden und kein eindringendes Grundwasser zeigt. Außerdem muss die Kamera die gesamte Strecke befahren können. In der Praxis ist das für Bestandsleitungen der Standard. Wie eine Befahrung abläuft und was die Bilder zeigen, haben wir im Beitrag zur Kanalinspektion mit der Kamera ausführlich beschrieben.

Eine Einschränkung gehört dazu. Eine Kamera beweist die Dichtheit einer Leitung nicht mit letzter Sicherheit. Risse und versetzte Muffen zeigt sie zuverlässig, Wurzeleinwuchs ebenso. Eine haarfeine Undichtigkeit an einer Dichtung sieht sie nicht immer.

Druckprüfung mit Wasser oder Luft

Bei der Druckprüfung werden alle Öffnungen eines Abschnitts mit Absperrblasen verschlossen. Dann wird die Leitung mit Wasser gefüllt oder mit Luft unter Druck gesetzt, und der Prüfer misst über eine festgelegte Zeit, wie viel Druck oder Wasser verloren geht. Liegt der Verlust innerhalb der Grenzwerte, ist die Leitung dicht. Verlangt wird die Druckprüfung vor allem bei neuen und sanierten Leitungen, in Wasserschutzgebieten und immer dann, wenn die Kamera die Leitung nicht vollständig befahren kann.

Unsicher, ob es bis Montag warten kann? Rufen Sie uns einfach an!

So läuft die Prüfung ab

Eine Prüfung beginnt nicht mit der Kamera, sondern mit sauberem Rohr. Fett und Urinstein verdecken genau die Stellen, um die es geht. Deshalb wird die Leitung vorher mit Hochdruck gespült und, wo nötig, gefräst.

Danach sieht der Ablauf so aus:

  1. Zugänge klären: Revisionsschacht, Reinigungsöffnung im Keller oder Kontrollschacht vor dem Haus
  2. Leitung reinigen, damit die Wand frei liegt
  3. Kamerabefahrung mit Aufzeichnung und Meterangabe, bei Bedarf mit Ortung des Leitungsverlaufs
  4. Druckprüfung der Abschnitte, bei denen sie verlangt wird oder die Kamera nicht weiterkommt
  5. Prüfprotokoll mit Bildern, Leitungsplan und Befund

Das Protokoll ist Ihr Nachweis gegenüber der Kommune. Bewahren Sie es zusammen mit dem Video auf. Bei einem späteren Hausverkauf ist das ein Pluspunkt, den Käufer ernst nehmen.

Durchführen dürfen die Prüfung nur Sachkundige mit passender Ausrüstung, viele Kommunen nennen die Anforderungen in ihrer Satzung oder führen eine Liste. Fragen Sie vorher, ob der Nachweis des Betriebs bei Ihrer Gemeinde anerkannt wird.

Was eine Dichtheitsprüfung kostet

Eine seriöse Zahl zu den Kosten gibt es erst, wenn klar ist, wie lang die Leitungen sind und wie man an sie herankommt. Diese Punkte bestimmen den Preis:

  • Länge der Leitungen und Zahl der Abzweige unter der Bodenplatte
  • Zugänglichkeit: Gibt es einen Revisionsschacht, oder muss die Kamera durch eine Toilette?
  • Verschmutzung und damit der Aufwand für die Reinigung vorab
  • Kamera allein oder zusätzlich eine Druckprüfung
  • Umfang der Dokumentation, die Ihre Kommune verlangt

In Ratgebern und Foren finden sich für ein Einfamilienhaus Spannen von rund 300 bis 600 Euro für Reinigung und Prüfung, bei verwinkelten Leitungen auch darüber. Bei uns kostet eine Kamerauntersuchung zusätzlich zu einem Einsatz 100 Euro, die Facharbeiterstunde inklusive Spülgerät 180 Euro, An- und Abfahrt sind frei. Die Kosten für Ihr Haus nennen wir Ihnen, sobald wir wissen, was auf Ihrem Grundstück liegt.

Undicht: wie es nach dem Befund weitergeht

Ein Schaden im Protokoll heißt nicht automatisch, dass der Garten aufgerissen wird. Kleine Schäden wie eine undichte Muffe oder einzelne Risse lassen sich oft punktuell von innen sanieren. Sind ganze Abschnitte betroffen, ist ein Inliner meist die günstigere Lösung als eine offene Baugrube. Wie die grabenlose Sanierung im Inliner-Verfahren funktioniert, lesen Sie in unserem Beitrag dazu.

Wichtig ist die Reihenfolge. Erst muss klar sein, wo der Schaden sitzt und wie groß er ist. Dann wird saniert, und danach wird die sanierte Strecke noch einmal geprüft. Wer ein Sanierungsangebot ohne Kamerabilder bekommt, sollte nachfragen.

Vorsicht bei Angeboten an der Haustür

Pflicht oder Abzocke? Diese Frage hören wir oft, und sie hat einen ernsten Hintergrund. Seit Jahren ziehen Firmen durch Wohngebiete, klingeln und behaupten, die Dichtheitsprüfung sei ab sofort vorgeschrieben. Die Prüfung selbst wird billig angeboten. Verdient wird an der Sanierung, die danach angeblich sofort nötig ist. Ein Gericht hat einer solchen Firma ihre Werbetricks untersagt, die Verbraucherzentrale hat das Urteil veröffentlicht.

Ein paar Regeln schützen Sie:

  • Kein seriöser Betrieb setzt Sie an der Haustür unter Zeitdruck.
  • Eine Pflicht teilt Ihnen Ihre Kommune schriftlich mit, nicht ein Vertreter.
  • Lassen Sie sich Kamerabilder und Protokoll zeigen, bevor Sie eine Sanierung beauftragen.
  • Holen Sie für jede Sanierung ein zweites Angebot ein.

Mehr dazu, wie diese Masche im Saarland abläuft, steht in unserem Beitrag über Kanalreinigungsbetrüger im Saarland. Und wenn Sie wissen möchten, ob für Ihr Haus überhaupt eine Prüfung ansteht, rufen Sie uns an. Wir sagen es Ihnen auch, wenn nichts zu tun ist.

Verstopfung jetzt beseitigen lassen

Häufige Fragen zur Dichtheitsprüfung

Für ein Einfamilienhaus nennen Ratgeber Spannen von etwa 300 bis 600 Euro für Reinigung und Prüfung. Den genauen Preis bestimmen vor allem die Leitungslänge und die Frage, ob nur eine Kamera oder zusätzlich eine Druckprüfung verlangt wird.

Im Saarland gibt es für bestehende häusliche Abwasserleitungen keine landesweite Pflicht zur regelmäßigen Prüfung. Verlangt wird sie nach Neubau oder Sanierung, in Wasserschutzgebieten, bei gewerblichem Abwasser und wenn die Kommune es in ihrer Satzung festlegt.

Eine feste Wiederholungsfrist für Privathäuser im Saarland gibt es nicht. Die DIN 1986-30 empfiehlt für häusliches Abwasser eine Zustandskontrolle alle 20 Jahre, in Wasserschutzgebieten und bei gewerblichem Abwasser gelten kürzere Abstände.

Für Bestandsleitungen mit häuslichem Abwasser in den meisten Fällen ja, sofern die Kamera die gesamte Leitung befahren kann und keine Schäden zeigt. Bei neuen oder sanierten Leitungen und in Wasserschutzgebieten wird meist eine Druckprüfung mit Wasser oder Luft verlangt.

Zuerst wird die Leitung gereinigt, dann mit der Kamera befahren und aufgezeichnet. Wo nötig, folgt eine Druckprüfung einzelner Abschnitte, und am Ende erhalten Sie ein Prüfprotokoll mit Bildern für Ihre Unterlagen und die Kommune.